Methode und Theorie

Talent Adieu – jeder kann Remote Viewing
von Manfred Jelinski

Nach 17 Jahren Erfahrung mit Remote Viewing in Deutschland (1996 kamen die ersten Ausgebildeten aus den USA zurück) kann man getrost melden: Entweder es gibt kein Talent oder man braucht es nicht.
Natürlich würde ein strenger Wissenschaftler sagen, diese geringe Anzahl von Leuten, immerhin weniger als tausend, deren Schicksal hier bekannt ist, stellt nur eine sehr kleine Auswahl der Bevölkerung dar. Vielleicht gibt es viele Millionen Leute „irgendwo da draußen“, die es nicht können. Da sich von ihnen aber noch niemand gemeldet hat, kann man über sie – auch rein wissenschaftlich gesehen – keine Aussage treffen. Vielleicht WISSEN sie ja, dass sie es nicht können und kommen erst gar nicht zu einer Ausbildung oder, schlimmer noch, versuchen alle Aktivitäten mit Remote Viewing zu hintertreiben. Letzteres war schon in den USA üblich, lange bevor die Methode nach Deutschland kam. Alle Viewer, die damals dabei waren, berichten davon. Hier spielte es natürlich eine Rolle, dass die Entwicklung von RV Geld kostete, weil sich relativ teure Universitäten (SRI und Princeton) damit beschäftigten. Auch die Gruppe, die der Armee unterstand, musste bezahlt werden. Das soll, von den Beteiligten glaubhaft versichert, ein ewiger Kampf gewesen sein. Immer wieder gab es Personen (in leitenden Stellen), die Remote Viewing für Blödsinn erklärten, und fast schon wie in einem religiösen Wahn bekämpften.
Man muss allerdings zugeben, dass man in den ersten Jahren noch fest an dieses Talent glaubte. Und deshalb Menschen untersuchte, die „es“ scheinbar hatten. Die ersten Remote Viewer, wie zum Beispiel Joseph MacMoneagle, glaubten das auch. Sie sahen sich als Wunderkinder und als Ingo Swann mit einem Ablaufplan (Protokoll) daherkam, der es jedem normalen Menschen erlauben sollte, Psi-Agent zu werden, wurde er auch von den bereits existierenden Remote Viewern angefeindet. Später, als sich der Erfolg dieses protokollarischen Systems herausstellte, brachten die „natural psychics“ eigene Bücher heraus, in denen die Methode rein spirituell dargestellt wurde – allerdings unter Einbeziehung der von Swann erarbeiteten, völlig neuen Begriffe, die zum Beispiel zum ersten Mal die Gefahr benannten, dass der Viewer ohne Kontrollgerüst in die abwegigsten Phantasien abgleiten kann.
Inzwischen ist der Methode nach Ingo Swann reichlich ausgelotet und verfeinert worden, woran wir uns hier in Deutschland ebenfalls beteiligt haben. Ich habe inzwischen bei unzähligen Leuten gesehen, wie sie reagieren und weiß, wie man Remote Viewing so nahebringt, dass bereits nach den ersten Stunden Ausbildung ein gewisser Schockzustand erreicht wird: „Tatsächlich, ich kann es auch!“ Dass geht nicht nur Zweiflern so, sondern auch solchen Leuten, die schon vorher überzeugt waren, es müsste klappen. Das eigene Erlebnis ist durch nichts zu schlagen, an dieser Erkenntnis hat sich seit Anbeginn der Ausbildung hier nichts geändert. Man kann so viel glauben, wie man will – wenn man es tatsächlich selbst macht, das ist schon ein einschneidendes Erlebnis.
Die Unterschiede der einzelnen Leute, wie „gut“ sie sind, liegen deshalb auch auf ganz anderen Ebenen. Manche bremsen ihre Möglichkeiten durch eine übermäßige Erwartungshaltung aus.
„Ich war schon immer hellsichtig, dann muss ich jetzt besonders gut sein!“ Das ist oft ein kleiner Irrtum.
Der RV-Ablaufplan bewirkt im Gehirn eine Art von Tätigkeit, die es nie vorher so abgewickelt hat. Das wird den meisten Leuten sofort klar, wenn ihnen die einzelnen Punkte des Protokolls, die oft doppelt und dreifach mit Funktionen belegt sind, in der Ausbildung erklärt werden.
Natürlich kann man auch jeden Anwärter einfach so durchs Protokoll ziehen, (was ich immer „kurz und schmutzig“ genannt habe) und es klappt. Das machen heutzutage sehr viele Leute, auch solche, die sich nur geringe Teile der Kenntnisse angeeignet haben, manchmal sogar nur von Internetvideos.
Allerdings gibt es ein kleines Problem. Sobald der Proband, der so eben mal durch die Wirkung dieses Ablaufplans „überfahren“ wurde, wieder zur Besinnung kommt, zweifelt seine Ratio, sein gesunder Menschenverstand, diese Fähigkeit an und dann hat er es schwer, diesen Zustand wieder zu erreichen, weil er sich intensiv beobachtet: „Nun, was passiert jetzt? Was mache ich hier? Ist es Zufall? Gibt es irgendeinen Klick im Gehirn?“
Nach meiner Beobachtung gibt es dagegen nur ein Mittel. Man muss das Protokoll in seinen einzelnen Funktionen genau erklären, damit auch das rationale Wachbewusstsein befriedigt ist. Dann WEISS man, warum man es kann und ist in der Lage, dieses ungute Gefühl: „Was mache ich hier eigentlich?“ als normales Beiwerk des Gehirnapparats einzuordnen und damit zu leben
Und dann sagt man sich mit Leichtigkeit: „Adieu, Talent, wenn es dich jemals gab, dann haben wir es alle!“
Wie „gut“ dann jemand wird, hängt nur noch davon ab, wie gut er/sie GEÜBT hat, also wie oft die Methode praktiziert wurde. Und das macht es so normal, weil man das von jedem Handwerker oder Künstler aussagen kann.