Forschung und Praxis

Macht Remote Viewing intelligenter?

Es gibt eine Diskussion, die in den letzten Jahren immer öfter, allerdings niemals im Vordergrund, geführt wurde. In welcher Form steigert Remote Viewing die Leistungsfähigkeit des Gehirns?
Denn dass da etwas passiert, ist ohne Frage. Schon in seinem Buch „The seventh sense“ von 2003 spricht Leonard Buchanan, langjähriger Viewer in der CRV-Einheit der USA in den 1980er Jahren, von einigen zusätzliche Fähigkeiten, die seine Auszubildenden erlangen. Er nennt eine gesteigerte Aufmerksamkeit, Vorauswissen von Situationen im täglichen Leben und teilweise Hypersensibilität. Den Grund dafür sieht er in der Realisierung eines beständigen, immer zugänglicheren Dialogs des Bewusstseins mit dem Unterbewusstsein.


Aus meinen Erfahrungen der letzten 20 Jahre kann ich das bestätigen. Von vielen Ausbildungsteilnehmern hörte ich ähnliche Aussagen.
Nun gut, aus der Demenzforschung weiß man inzwischen, dass man Alzheimer und ähnlichen geistige Zerfallserscheinungen begegnen kann, indem man sich geistig beschäftigt. Das Baumuster Mensch will beansprucht werden, um gesund zu bleiben. Das wissen auch die vielen Bildschirmarbeiter, die nach Feierabend das Fitnesscenter konsultieren, weil ihr Arzt, wenn er ehrlich war, nichts Besseres als Bewegung! zu verordnen wusste.
Sicher wird er zu speziellen Übungen besonders geraten haben, hier zu Bewegungsabläufen, die die Rückenmuskeln stärken. Das Hauptaugenmerk liegt aber in der möglichst breiten Inanspruchnahme von Beweglichkeiten. „Ganzheitlich“ hat sich als Begriff in den letzten Jahrzehnten zu Recht seinen Weg in die Gehirne der immer spezialisierter geforderten Dienstleister gebohrt. Werdende Väter erfahren, dass es einen Beckenbodenmuskel gibt, von dem sie bisher keine Ahnung hatten. Interessanterweise wird dieser Muskel bei einigen der modernen Fitnessübungen ebenfalls mit angesprochen.
Diese Erfahrungen kann man auch auf die geistige Tätigkeit anwenden. Wer sich nach der Arbeit mit dem selbstgerechten Gefühl, nun mal entspannen zu müssen, in den Fernsehsessel fallen lässt, um Bierflasche, Chipstüte und Dauerberieselung zu eröffnen, braucht sich um die Zukunft keine großen Sorgen zu machen. Sie wird nicht lange auf sich warten lassen.
Was aber soll man für das Gehirn tun? In den letzten Jahren sind immer mehr Bücher aufgetaucht, die Intelligenz durch Gehirnjogging, durch Lösen spezieller Aufgaben versprechen. Auch das haben Forscher inzwischen unter die Lupe genommen. Sie stellten fest, dass man mit dem Üben bestimmter Problemstellungen zwar den Umgang damit übt, mehr aber auch nicht. Sudokuübungen verhelfen eben zu einem besseren Lösen von Sudokuaufgaben.
Was bedeutet aber eine ganzheitliche Beanspruchung des Gehirns, wie kann man sie erreichen? Schon 1997 haben wir im Gehirnlabor von Günter Haffelder auf dem Bildschirm gesehen, wie durch die Benutzung des Remote Viewing-Protokolls die Kommunikation zwischen beiden Gehirnhälften in Gang gesetzt wurde. Aber die Nutzung von vorhandenen, jedoch im Alltag nur wenig genutzten cerebralen Bereichen geht noch viel weiter. Wie ich in den vergangenen Jahren herausgefunden habe, bewirkt der Ablaufplan des RV-Protokolles eine sensorische Umschaltung, ein Umrooten der Aufmerksamkeit auf den zweiten, in jedem Menschen vorhandenen Wahrnehmungsapparat.  Gemeinhin nennt man das alles sehr undifferenziert Intuition und hat dafür auch einige Übungen erfunden, die von Meditation bis zum Erraten demnächst eintretender Geschehnisse reichen.
Das ist nicht schlecht, aber kompletter geht es mit dem RV-Ablauf, weil man sich hier nicht durch bewusst anzusetzende, verunsichernd undifferenzierte Tätigkeiten kämpfen muss. „Wie soll ich jetzt meditieren? Nicht an einen rosa Elefanten denken? Uh, das ist schwer!“
Der Ablaufplan ist einfach zu erfüllen und strukturiert, sodass man immer weiß, was als Nächstes kommt und er bringt sogar noch ein sofortiges Ergebnis, beispielsweise, wohin man schon wieder den Autoschlüssel verlegt hat.
Im Zusammenspiel mit dem Alltag werden somit tatsächlich die meisten Gehirnfunktionen beansprucht, solche von denen man weiß und solche, die von der konservativen Wissenschaft noch immer angezweifelt werden.
Natürlich – kein Licht ohne Schatten. Die Steigerung der Gehirnaktivitäten hat auch ihre Nachteile. Die Steigerung der Sensibilität macht nicht vor den emotionalen Bereichen halt. Auch das Mitfühlen mit den Problemen anderer steigert sich und wir werden verständnisvoller für Geschehnisse, die zeigen, dass wir keine Automaten sind. Man gerät leichter in Rage über die Vorgänge in der Welt, ausgelöst von Leuten, die offenbar nicht mal Gehirnjogging betreiben sondern nur die Befriedigung der eigenen Gelüste. Ob man sich dazu eine Religion zu Hilfe nimmt und sie damit korrumpiert oder einfach nur seine Triebausstattung unreflektiert auslebt ist letztlich egal.
Das wäre doch einmal ein wirkungsvolles Rezept, wenn man all den kleinen, engstirnigen Diktatoren und politischen Gewalttätern eine Anzahl von Remote Viewing-Sessions verschreiben könnte. Selbst durchgeführt natürlich, und als Targets die Auswirkungen ihrer Entscheidungen.

Letztlich sind sich aber alle Befragten einig, was immer ein Intelligenztest misst, sie sind einfach schneller, ganzheitlicher und verständnisvoller als vorher. Es sind sehr viele neue Bahnen gelegt worden, besonders solche, die nicht bewusst installiert werden können, sehr wohl aber sozusagen als "Hintergrundservice" genutzt werden können.
                                                                                                                                                       

-MJ