Forschung und Praxis

Mars attacks! Viewerkollaps im All

"Liebes RV-Tagebuch! heute bin ich röchelnd auf dem Mars zusammengebrochen..."
So oder ähnlich könnte die Einleitung zum Bericht über ein RV-Erlebnis lauten, das mir vor einigen Tagen wiederfahren ist. Vielleicht klingt es etwas überspitzt, aber in Wirklichkeit war es fast genau so. Denn ich bekam als Target den Mars (genauer gesagt ein Foto des "Marsgesichtes"), mit der Targetanweisung "Beschreibe das Target vor 65 Millionen Jahren!". Gemonitort wurde ich dabei von jemandem per Skype. Bis zum Aufschreiben der Koordinaten verlief alles wie gewohnt.

Als ich dann das erste Ideogramm erstellte, begann ich eine unterschwellige Genervtheit und Stress zu spüren. Jedes kleinste Geräusch im Headset meines Monitors störte mich ungemein (was sonst nicht so ist), und mein körperliches Unbehagen wuchs ebenfalls. Zuerst schob ich es auf die Geräusche des Monitors, aber mein Körper produzierte merklich immer mehr Stress. Das Schreiben fiel mir zunehmend schwerer (schon bei A1), und ich hatte größte Probleme, so etwas simples wie die Spaltenaufteilung der Eindrücke hinzukriegen. Es war, als würde mein Gehirn nicht mehr mit den einfachsten seriellen Tätigkeiten klarkommen.

Als Eindrücke in der Stufe 1 empfing ich ziemlich schnell schroffe, harte Oberflächen, die wie Felsrisse anmuteten, und in rotbräunlichen bis hell-ockerfarbenden Tönen gehalten waren. Das Licht wirkte auch seltsam, und je klarer die Eindrücke wurden, desto unbehaglicher wurde mir. Am Ende der ersten Stufe 1 schrieb ich als AI "fühle mich genervt".

Nach dem zweiten Ideogramm fühlte ich mich noch seltsamer, und die Schrift wurde noch unleserlicher. Die sensorischen Eindrücke aus Stufe 1 wiederholten sich, und bald folgte auch schon ein weiteres AI, welches "immer noch sehr genervt" lautete. Plötzlich, als ich im Abschnitt 3 des Ideogramms angelangte, ging mein Kreislauf schlagartig zu Boden, und ich sagte meinem Monitor, das ich hier abbrechen muß. Zum Schluss schrieb ich noch mit Mühe die AIs "fühle mich sehr komsich" und "stop". Danach versuchte ich mich schnellstmöglich vom Target zu lösen.

Mars Attacks - AIs

Ich saß dort nun an meinem Schreibtisch, mit den Kopf auf beide Arme gestützt, und versuchte, nicht vom Stuhl zu fallen. Mir war inzwischen eiskalt (trotz 21°C im Raum), und ich hatte den Drang, mehrmals tief ein- und auszuatmen, damit mir nicht schwarz vor Augen wurde. Zugleich wurde ich extrem zittrig im ganzen Körper, was ich kaum unter Kontrolle bringen konnte. Ich richtete meine Webcam auf mich, und mein Monitor merkte an, das ich total blass und verschreckt aussah, so als hätte ich gerade einen Schock erlebt. Psychisch war allerdings alles in Ordnung, und ich beobachtete den Zustand mit Neugier, aber natürlich auch Aufregung. Unheimlich war vor allem, das ich dieses Zittern über eine Stunde lang nicht unter Kontrolle bekam, und ich mich fühlte, als wäre ich zu lange ohne Luft zu holen unter Wasser gewesen. Erst nach ca. vier Stunden (inzwischen war es tief in der Nacht) stabilisierte sich mein Gesamtzustand, nachdem ich zum aufpäppeln ein paar sportliche Übungen gemacht, und einen heißen Tee getrunken hatte.

Wie ich weiß, bin ich nicht der erste, dem dieser Effekt bei Sessions in potentiell lebensfeindlichen Umgebungen passiert ist (auch schon in Stufe 1). Offenbar war ich in dem Fall zu sehr on Target, so das mein Körper quasi so auf die Umgebung reagierte, als wäre er dort. Die Symptome würden jedenfalls auf das passen, was passiert, wenn man ungeschützt der (heutigen) Marsatmosphäre (nicht weit entfernt vom Vakuum des Weltalls) ausgesetzt wäre: (extremer Stress, Desorientierung, Sturz der Körpertemperatur, Kreislaufzusammenbruch...). Daher vermute ich, dass es an der körperlichen Identifikation mit der Atmosphäre lag und dass das in Stufe 1 noch ziemlich aktive, linkshirnige Bewusstsein alarmiert reagierte. Ich war allerdings noch wegen der Targetformulierung "vor 65 Millionen Jahren" verunsichert. Das soll ja die Zeit einer globalen Katastrophe auf dem Mars gewesen sein (etwa zeitgleich mit dem Aussterben der Dinosaurier auf der Erde). Von den ersten Eindrücken her wirkte es aber wie die Gegenwart, inkl. der Felsfurchen auf dem "Marsgesicht". Doch auch Farben, die da scheinbar nichts zu suchen haben, tauchten schon auf, darunter blau und grün (obgleich der Marshimmel gelegentlich blau sein soll, je nach Wetter und / oder Sonnenstand). Weiter kam ich jedoch, wie gesagt, nicht.

Solche Erlebnisse sollen recht selten vorkommen. Manchen passiert es nie, manchen nur einmal in ihrer RV-Laufbahn. Aber es kann passieren, wie ich nun erfahren habe, und eine weniger robuste Person (z.B. mit Herz / Kreislauf-Problemen) hätte dadurch in echte Schwierigkeiten kommen können, und für den Monitor am anderen Ende von Skype wäre es auch höchst unerfreulich, hilflos zuzusehen, wie sein Viewer röchelnd vom Stuhl fiele.
Auch wenn diese Phänomene vergleichsweise selten vorkommen, sollte vielleicht die Vergabe und das Abarbeiten bestimmter Targets über Skype ernsthaft diskutiert werden. Denn wenn sie vorkommen, können sie ziemlich hart zuschlagen. Ich selbst konnte mir mit meiner guten Konstitution und Erfahrung bei psysiologeischen Problemen noch selbst helfen und den Kollaps überwinden.
Was aber, wenn es jemanden trifft, der ohnehin einen labilen Kreislauf, eine Herzschwäche, Nervenprobleme hat oder Drogen eingenommen? Dann wird es sehr bedenklich, denn wie will der weit entfernte Monitor hier helfen? Die Feuerwehr rufen?

Gut nur, dass RV nicht anerkannt ist und die Polizei hier nicht ermitteln wird, weil keine physikalische Gabe von Mitteln stattfand.

Vielleicht bekommt man mit wachsender Erfahrung im Viewen diese Probleme in den Griff, wobei es dazu noch überhaupt keine sicheren Erfahrungen gibt. Ein RV-Neuling wäre aber wahrscheinlich extrem abgeschreckt und ich würde durchaus verstehen, wenn er vielleicht nie mehr etwas mit RV zu tun haben möchte (solche Fälle gab es auch schon). Daher denke ich, man sollte sich gut überlegen, auf welche Targets man Neulinge beim Online-viewen schickt. Jemanden nach seiner dritten Session auf irgendwelche UFOs oder außerirdische Orte ansetzen, halte ich jedenfalls für sehr gefährlich. Nicht nur wegen des eventuellen Gefährdungsfaktors, sondern auch wegen der Ergebnisqualität, die in so einem Fall noch stark AUL-lastig sein dürfte und auf Jahre hinaus gut erinnert wird. Gerade bei Mystery-Targets, die man ohnehin nur indizienmäßig durch übereinstimmende Sessions verifizieren kann, wirkt das nicht sehr zielführend.

So oder so, man sollte beim RV (ob als Neuling, oder Fortgeschrittener) immer auf das Unerwartete gefasst sein...

- Stefan Franke