Kolumne

Medium zum Kennenlernen

Marshall McLuhanMarshall McLuhan, der Philosoph des elektronischen Zeitalters, wäre am 21. Juli 2011 100 Jahre alt geworden. Bedeutungsvoll für unsere Betrachtung würde der kanadische Philosoph als Kommunikationstheoretiker. „Das Medium ist die Botschaft“ wird als sein zentraler Satz überliefert. Was bedeutet das für den Alltag? wird man sich vielleicht fragen. Eine ganze Menge, kann man antworten. Zum Beispiel, dass die Verpackung die Wertschätzung des Inhaltes beeinflusst. Gut, das hätten wir vielleicht gewusst. Anderes Beispiel: Fernsehen und Kino. Warum ist Fernsehen so attraktiv? Weil es so unvollständig ist. Man muss seine Aufmerksamkeit zentrieren und bindet damit einiges an kognitiven Ressourven. So wird Fernsehen zum Beispiel „wahrer“ als ein Film im Kino, der „nur“ Film ist.

Jedes Medium, so dozierte McLuhan, ist die Ausdehnung eines Sinnesorgans und damit wird auch das Denken verändert.

Die Verlängerung der Augen sei das Buch, so der Philosoph, der elektrische Schaltkreis verlängert das Nervensystem und die Kleidung die Haut. Haben wir Bücher, suchen wir die Informationen nicht mehr in der Weite der Prärie, sondern zwischen Papierblättern, und mit einer schicken Kleidung können wir körperliche Unproportioniertheiten leicht verbergen. Natürlich wird in den letzten Jahren immer mehr darüber spekuliert, was sich bei der Wahrnehmung von Inhalten durch die Benutzung von Internet und Handy ändert. Werden sie wahrer, intensiver?

 

Fakt ist jedoch, dass eine soziale Rückwärtsentwicklung stattgefunden hat. Die Welt ist wieder ein Dorf – nun gut, ein globales, ganz schön groß, aber doch so klein, dass es auf einen handtellergroßen Touchscreen passt. Wir kehren zurück zu einer Stammeskultur, alle sind überall gleichzeitig informiert. Schon das Telefon hielt McLuhan für „Stammestrommeln“, die jeden Angehörigen verfolgen. Mc Luhan starb 1980, die Internetentwicklung hat er nicht mitbekommen. Aber wir müssen ihm doch rechtgeben, oder?

Nun fragt sich der Leser unter Umständen weiter, was dieser Artikel mit Remote Viewing zu tun haben könnte …

Wem da nicht sofort ein ganzer Schwall von bedenklichen Assoziationen durch den Kopf schießt, dem ist vielleicht nicht mehr zu helfen. Wenn alle überall zu jeder Zeit alles wissen können … welche Gesellschaft könnte das vertragen? Vor allem: schon heute?

Aber, wie man ja zu jeder Zeit erleben konnte: die Menschen haben generell Angst vor der Zukunft, wenn sie auf etwas stoßen, das sie noch nicht kennen.

„Völlig verkehrtes Verhalten“, argumentierte McLuhan. „Die Gegenwart ist damit doch schon die Zukunft!“

So. Dann wird es ja interessant, wenn die Allgemeinheit entdeckt, dass es Remote Viewing jetzt schon gibt und sich ausbreitet wie dunnemals das Telefon. Oder die Dampfeisenbahn. Na gut, es gibt sicher bessere Beispiele, aber was kommt NACH dem globalen Internetdorf? Die Schwarmexistenz?

 

Foto: Camilo, Toronto 2007